(Dr. Ursula Kriesten)
Berufsbildungsinstitut (BIBB) –
Fachliche Ressource für die professionelle Pflegepraxis und -bildung
Zu Beginn zwei Fragen
- Wussten Sie, dass Sie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für Ihre Arbeit im Kontext Pflegebildung und -praxis nutzen können?
- Haben Sie eine Idee, wieso das BIBB sich um Pflegebildung kümmert, obwohl die gesetzliche Grundlage für die Tätigkeiten des BIBB auf dem Berufsbildungsgesetz gründen?
Hintergrund
Beginnen wir mit der Beantwortung der zweiten Frage: Obwohl die Pflegeausbildung nicht auf dem Berufsbildungsgesetz basiert, hat der Gesetzgeber das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) beauftragt, die strukturelle Qualität der Pflegeausbildung zu sichern, sozusagen durch eine Sonderregelung.
Das BIBB ist also trotz der Sonderstellung der Pflegeberufe für diesen Bereich zuständig, da das Institut eine hohe Expertise in Sachen Berufsbildung insgesamt vorweist.
Welche Aufgaben hat das BIBB?
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist das anerkannte Kompetenzzentrum zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland. Das BIBB identifiziert Zukunftsaufgaben der Berufsbildung, fördert Innovationen in der nationalen wie internationalen Berufsbildung und entwickelt neue, praxisorientierte Lösungsvorschläge für die berufliche Aus- und Weiterbildung.
Mit Studien, Veranstaltungen und Fachpublikationen bietet das BIBB praxisrelevante Einblicke und begleitet die Entwicklungen, auch die der generalistischen Pflegeausbildung.
Nützliche Publikationen
Kommen wir zu der eingangs erwähnten ersten Frage:
Die BIBB-Website beinhaltet eine Vielzahl von erarbeiteten Publikationen, die Sie kostenfrei zur Pflegebildung und zum Pflegeberuf hervorragend nutzen können.
Sie können zum Beispiel herunterladen:
- Gesetze im Kontext Pflegebildung
- Rahmenpläne der Fachkommission nach § 53 PflBG
Die Fachkommission nach § 53 PflBG entwickelte nach Inkrafttreten des Pflegeberufegesetzes (PflBG) bundeseinheitliche Rahmenpläne für den theoretischen und praktischen Unterricht sowie Rahmenausbildungspläne für die praktische Ausbildung. - Aktualisierung der Rahmenausbildungspläne für den praktischen Teil der Pflegeausbildung nach PflBG
- Handreichung für die Pflegeausbildung am Lernort Praxis
- Kompetenzmatrix
- Musterentwurf zum Ausbildungsnachweis
- Flyer Pflegeausbildung aktuell
- Empfehlungen für Kooperationsverträge
- Erweiterte heilkundliche Module
Die standardisierten Module stellen die curriculare Voraussetzung für die Umsetzung von Modellprojekten nach § 14 PflBG, § 63 Abs. 3c SGB V sowie § 64d SGB V dar. Sie zielen auf den Erwerb von Kompetenzen für die erweiterte heilkundliche Verantwortung für Pflege- und Therapieprozesse mit Menschen in komplexen Pflege- und Therapiesituationen.
Zudem werden zur dreijährigen Pflegeausbildung und zur Pflegefachassis-tenzausbildung (18 Monate) häufige Fragen (FAQ) beantwortet.
https://www.bibb.de/de/214634.php
Pflege-Panel-Befragung
Außerdem sammelt das BIBB-Pflegepanel regelmäßig Daten aus Schule, Praxis und Hochschule, um Entwicklungen und Herausforderungen in der Pflegeausbildung fundiert abzubilden. Es liefert wichtige Erkenntnisse zu Ausbildungsplätzen, Auswahlverfahren und Ausbildungsbedingungen und unterstützt so Steuerung und Innovation im Pflegebereich.
https://www.bibb.de/de/209857.php
Forschung zur Pflegebildung und zum Pflegeberuf
Im Forschungsprogramm erforscht das BIBB die berufliche und hochschulische Pflegeausbildung, entwickelt gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Praxis Lösungen für aktuelle Herausforderungen und liefert Daten für politische Entscheidungen. Zentrale Themen sind Bildungswege, Qualität der Ausbildung und Zukunft des Pflegeberufs. Diese gliedern sich in drei Subthemenfelder:
1. Teilhabe und Diversität
Pflegebildung steht vor der Aufgabe, Zugänge für eine heterogene Gruppe von Lernenden sicherzustellen – unabhängig von Herkunft, Sprache oder Bildungsbiografie. Projekte in diesem Themenfeld befassen sich u.a. mit sprach- und kultursensibler Didaktik, inklusiven Lernformen und sozialer Chancengerechtigkeit.
- ParAScholaBi – Partizipatives Ausbildungskonzept zur Förderung und Entstigmatisierung von Schüler/-innen mit längeren Bildungswegen vor der Pflegeausbildung
Das Forschungsprojekt untersucht, wie umschulende Personen in der generalistischen Pflegeausbildung besser begleitet und ihre bereits erworbenen Kompetenzen wertgeschätzt werden können.
- SCENE – Sprachvoraussetzungen für die Ausbildung entlang der verschiedenen Qualifikationsniveaus
Das Forschungsprojekt untersucht, welche sprachlichen Kompetenzen Pflegeauszubildende auf unterschiedlichen Qualifikationsniveaus benötigen. Ziel ist es, Assessments und Lehrmaterialien zu entwickeln, die sprachliche Bildung systematisch in die Pflegeausbildung integrieren.
- TiPa – Teilzeit in der Pflegeausbildung (beendet)
Das Pflegeberufegesetz eröffnet die Möglichkeit, die Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann/zur Pflegefachperson in Teilzeit zu absolvieren (vgl. PflBG § 6).
- VeGeBe – Verwertungsperspektiven geschlechtsuntypischer Berufsausbildungen
Das Forschungsprojekt untersucht, warum Männer mit einer Ausbildung in der Pflege den Beruf wechseln – und welche Strukturen sie halten könnten. Ziel ist es, mit den Ergebnissen einen Beitrag zu einer geschlechtergerechteren und attraktiveren Pflegearbeit zu leisten.
- VKP Pflege – Struktur und Inhalte der Vorbereitungskurse für Kenntnisprüfungen nach § 45 PflAPrV
Immer mehr internationale Pflegefachpersonen absolvieren eine Kenntnisprüfung zur beruflichen Anerkennung. VKP-Pflege entwickelt für Vorbereitungskurse ein bundesweites Konzept mit Curriculum, Methodenkoffer und Prüfungsaufgaben – für eine praxisnahe und einheitliche Prüfungsvorbereitung.
2. Digitale Transformationen
Die hier verorteten Projekte untersuchen unter anderem E-Learning, digitale Prüfungen, die digitale Ausstattung von Lernorten sowie den Kompetenzaufbau im Umgang mit digitalen Technologien.
- DibAP – Digitalisierungsprozesse der beruflichen Ausbildung in den Pflegeschulen (beendet)
Das Forschungsprojekt untersuchte den Digitalisierungstand und den Entwicklungsprozess an Pflegeschulen im Kontext des DigitalPakts Schule. Zusätzlich wurde ein Governance-Modell für die digitale Schulentwicklung verfasst.
- DigiK-Part – Digitalisierung: Fortbildungsinhalte und partizipative Organisationsentwicklung für schulisches und betriebliches Bildungspersonal in der Pflege (beendet)
- FEL – Elektronischer Ausbildungsnachweis
Mit der Entwicklung eines E-Learning-Tools mit integriertem elektronischen Ausbildungsnachweis kommt das Projekt FEL den aktuellen Digitalisierungsanforderungen in der Pflege, insbesondere in Bezug auf die Dokumentation der Ausbildung und die Förderung individueller Lernprozesse nach.
- KoprA
Das Projekt KoprA entwickelt ein Konzept für kompetenzorientierte praktische Prüfungen in der Pflegeausbildung. Ziel ist es, digitale Tools gezielt einzusetzen, um Handlungskompetenzen realitätsnah, rechtssicher und transparent zu prüfen.
- BT – Web Based Training
Wie gelingt es, mehr Menschen für eine Ausbildung in der Pflege zu gewinnen? Das Forschungsprojekt Web-Based Training (WBT) Pflege-Recruiting zeigt, wie Personalverantwortliche mit digitalen Strategien und authentischer Online-Kommunikation gezielt Nachwuchs ansprechen können.
3. Krisen, Katastrophen und Klimawandel
Pflegebildung und Pflegeberuf müssen auf die zunehmenden externen Belastungen reagieren – seien es klimabedingte Gesundheitsrisiken, Pandemien oder gesellschaftliche Krisenlagen. Die Projekte dieses Themenbereichs thematisieren z.B. die curriculare Integration von Hitzeschutz, Katastrophenvorbereitung und krisenbezogener Handlungskompetenz.
- HiP – Hitzeschutz in der Pflege: Lehr- und Lernmaterialien für Schule und Praxis
Entwicklung eines Moduls „Hitzeschutz“ nach den Empfehlungen der Rahmenpläne der Fachkommission nach dem PflBG.
- MODINA – Modul Disaster Nursing in der Ausbildung – Krisenresilienz durch Pflegekompetenz
Das Modul „Disaster Nursing“ vermittelt angehenden Pflegefachpersonen zentrale Krisenkompetenzen – ergänzt durch realitätsnahe Planspiele zu Pandemie, Cyberangriff und Unwetterereignis.
Einladung zum Forschungskongress
Regelmäßig führt das BIBB Forschungs-Kongresse durch, die Fragen der beruflichen Pflege umfassen. Im Mai 2026 widmet sich der Kongress der zentralen Frage der Resilienz – verstanden als Fähigkeit von Individuen, Organisationen und Systemen, mit Wandel umzugehen, aus Herausforderungen zu lernen und sich nachhaltig weiterzuentwickeln.
BIBB-Forschungskongress „Resilienz in der Pflege“
Der Forschungskongress findet am 07. & 08. Mai 2026 im Wissenschaftszentrum in Bonn statt.
Ziel des Kongresses ist es, aktuelle Forschungsergebnisse, innovative Bildungskonzepte und praxisrelevante Steuerungsansätze zu präsentieren und gemeinsam zu diskutieren.
Der BIBB-Forschungskongress richtet sich an Interessierte, die sich mit den vielfältigen Fragen der Zukunftsfähigkeit des Pflegeberufs, der Pflegebildung und des pflegerischen Versorgungssystems beschäftigen – forschend, lehrend, organisierend oder praktisch.
Was Sie erwartet:
- Fachlicher Austausch zu aktuellen Forschungs- und Entwicklungsthemen
- Impulse zur zukunftsfähigen Gestaltung von Bildung und Versorgung in der Pflege
- Einblicke in das BIBB-Forschungsprogramm zur Pflegebildung und zum Pflegeberuf
- Gelegenheit zur Vernetzung mit Fachkolleginnen und Fachkollegen aus Wissenschaft, Praxis und Politik
- Möglichkeit zur Präsentation und Diskussion eigener Arbeiten
- Für Nachwuchswissenschaftler/-innen ist ein Austauschformat geplant, das neben einem Kurzvortrag (z. B. zum Schreiben der Qualifikationsarbeit auch Raum für informellen Dialog und Vernetzung bietet.
Zur Anmeldung: https://www.bibb.de/dienst/veranstaltungsanmeldungen/de/211959.php
Zum Abschluss – Drei Tipps für die Praxis
- Nutzen Sie die hilfreiche Publikationsquelle des BIBB zum Herunterladen der sehr gut recherchierten und aufbereiteten Papiere für Ihren praktischen Alltag im Kontext Pflegebildung und Pflegepraxis.
- Nehmen Sie teil am BIBB-Forschungskongress in Bonn, sozusagen vor der Haustür, um aktuelle Ergebnisse zu erhalten und anstehende Fragestellungen zur Weiterentwicklung des Pflegeberufes einbringen zu können.
- Wirken Sie mit an den Panelbefragungen und an der Datenaufbereitung und lesen Sie die Ergebnisse der Projekte zur Digitalen Transformation im Pflegeberuf.
Ihre Ursula Kriesten
Quellen
https://www.bibb.de/de/209857.php
Autorin
Dr. Ursula Kriesten, MBA
Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin
Kontakt: u.kriesten@googlemail.com
